Eleni Torossi
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Knoblauch und Leberwurst

Paparuna

Pankow, Punk, Pankgrafen-
straße



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Geschichten

Knoblauch und Leberwurst


Unter Max’ und Kostas’ Schulbank tobte ein heftiger Streit. Die ganze Geschichte hatte eigentlich schon am frühen Morgen angefangen, als Max und Kostas, sein griechischer Freund, ihre Pausenbrote in das Fach unter der Bank gelegt hatten.
Das eine Brot war mit einer feinen Leberwurst bestrichen und das andere mit einem leckeren Knoblauchkäse belegt. Schon nach einigen Minuten rümpfte das Leberwurstbrot von Max die Nase.

„Iiii! Was riecht denn hier schon wieder so scheußlich? Bist du das vielleicht?“
„Meinst du mich?“ fragte ängstlich das Käsebrot von Kostas.
„Ja! Dich! Wer könnte sonst so unmöglich riechen! Rück ein Stück weiter!“
„Was fällt dir ein! Du spinnst wohl! Das ist mein Platz, und ich bleibe da, wo ich bin!“ antwortete das Käsebrot.
„Hier ist nur für denjenigen Platz, der normal riecht! Neben dir halt’ ich’s nicht länger aus!“
„Du gemeines Stück!“
„Stinkbrot! Stinkbrot!“ rief die Leberwurst.
„Du bist ja unverschämt!“ schimpfte der Knoblauchkäse zurück.
„Du Kanakenbrot, du, hör sofort auf, mich zu beschimpfen!“ drohte das Leberwurstbrot.
Plötzlich klingelte es laut zur großen Pause.
Max und Kostas nahmen schnell ihre Brote und liefen auf den Schulhof. Gierig bissen sie hinein und spielten mit ihren Mitschülern. Max merkte überhaupt nicht, daß er das Knoblauchkäsebrot von Kostas aß. Genauso wenig fiel es Kostas auf, daß er aus Versehen das Leberwurstbrot von Max erwischt hatte. Nur schmeckte es den beiden an diesem Tag besonders gut.
Als sie mittags nach Hause kamen, sagten sie zu ihrer Mutter: „Mama! Ich will öfter so ein Brot, wie du mir heute früh gemacht hast! Das hat ganz toll geschmeckt!“

Autorin: Eleni Torossi

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Geschichten

Paparuna


„Ein Maikäfer! Ein Maikäfer!“ ruft Jannakis voll Freude. Sabine, die jeden Tag mit ihm von der Schule nach Hause geht, sieht den Maikäfer auch. „Ich werde den Maikäfer mit nach Hause nehmen!“ sagt Jannakis und holt eine leere Streichholzschachtel aus seiner Tasche. „Nein!“ widerspricht Sabine heftig. „Laß ihn frei! Warum willst du ihn fangen? Außerdem ist er nicht dein Maikäfer! Ich habe ihn mit dir zur gleichen Zeit entdeckt!“ Sie ist richtig sauer, ihre Backen sind ganz rot vor Aufregung.
Jannakis schaut sie an und muß lachen. „Ha, ha! Du siehst aus wie eine Paparúna, ganz rot wie eine Paparúna! Also gut, ich fange den Maikäfer nicht. Schau, ich laß ihn frei. Bist du jetzt zufrieden?“
Sabine wird aber nur noch wütender. „Wenn ich eine Papa ... dings bin, dann bist du ... bist du ... du bist einfach blöd!“, schreit sie und rennt weg.
Jannakis versteht das überhaupt nicht. Ob sie wütend ist wegen des Wortes Paparúna? Das hatte er doch gar nicht böse gemeint.
Inzwischen ist Sabine nach Hause gerannt und weint. „Er hat mich Paparuna genannt!“ denkt sie und schluchzt. „Bestimmt ist es ein böses griechisches Wort, womöglich ein häßliches rotes Tier oder so! Ich werde nie mehr mit ihm spielen“, schwört sie sich.
Am nächsten Tag in der Schule spricht sie kein Wort mit ihm, und nach der Schule geht sie nicht wie üblich den Weg mit ihm nach Hause.
Sie ist einfach verschwunden. Am selben Nachmittag bemerkt Jannakis, wie Sabine mit anderen Mädchen an seinem Küchenfenster vorbeigeht. „Sie wollen bestimmt zum Spielplatz“, denkt er. Etwas später taucht er auch dort auf. Schon von weitem sieht er Sabine mit ihren Freundinnen spielen. Er geht mutig auf sie zu und hält ihr eine Mohnblume entgegen:
„Schau, Sabine!“ sagt er. „Ich will dir diese Paparuna schenken, die ich gerade gepflückt habe. Nimm sie bitte!“
Sabine schaut überrascht auf die Mohnblume.
„So hast du gestern mit deinen roten Backen ausgesehen, genau so strahlend wie eine Paparuna, eine Mohnblume!“ sagt er.

Autorin: Eleni Torossi

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Geschichten

Pankow, Punk, Pankgrafenstraße


Dezember 1993, eine ganze Weile nach Mitternacht. Wir hatten an einer Tankstelle in Pankow, Ostberlin, angehalten, einen Fünfziger in der Tasche. „Den geb ich jetzt voll fürs Benzin aus“, sagte Stefan, „wir brauchen heute abend kein Geld mehr.“ Er stieg aus dem Wagen, und sein Atem wurde in der eisigen Luft zu einer Dunstwolke. Die Gehwege waren von einer dünnen Schneeschicht bedeckt, die kleinen, viereckigen Steine des Straßenpflasters glänzten. Sie gefallen mir, diese Steine, kompakt, hart und zugleich niedlich, gehören irgendwie hierher, zu deutschen Straßen, doch sie werden überall herausgerissen und in Ostberlin erst recht, da gibt es noch eine Menge herauszureißen. Es war einsam um diese späte Stunde in diesem Teil der Stadt, keine Menschenseele weit und breit, alle sind zu Hause, „daheim“, dieses Wort gehört auch hierher, zu deutschen Häusern, zu den rauchenden Schlote auf den Dächern. Wir waren zum ersten Mal nach dem Mauerfall in diesem Teil Berlins, Pankow - das einstige Wohnviertel der Parteifunktionäre. Wir wohnten in der Pankgrafenstraße bei Freunden, die aktiv in den Kommitees für den Umsturz des alten Systems gewesen sind. Ich fand den Namen Pankgrafenstraße in Pankow witzig, und sie erzählten, es gab eine Punkgruppe mit dem Namen Pankow, die sich vor Jahren mit ihrer Musik in diesem Viertel einen Namen gemacht hatte.
Pankow, Punk, Pankgrafenstraße, wiederholte ich rhythmisch vor mich hin.
Pankow, Punk, Pankgrafenstraße.
Die Pankgrafenstraße ist eine kleine Straße mit alten Herrschaftshäusern. Die Hausmauern, über die Jahre hin rußig und geschwärzt, ersticken unter Efeu, der jetzt sämtliche Blätter verloren hatte. Die kahlen Zweige breiten sich wie ein feines Netz aus Holz über die gesamten Fassaden.
Pankow, Punk, Pankgrafenstraße. Unsere Freunde haben uns sogar eine Platte der „Pankow“ aufgelegt. Der Sound war etwas weicher als beim englischen Punk, die Texte politischer. Mich hatten sie nicht gerade vom Hocker gerissen, aber Stefan mochte sie, er gefällt sich in der Rolle des Punks, er hat sich eine Haarsträhne orange gefärbt, das Haar über den Ohren rasiert, und im Ohr trägt er eine schwarze Spinne.
Pankow, Punk, Pankgrafenstraße.

Autorin: Eleni Torossi

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